Holocaust-Zeitzeugin
07 02 10 - 19:42 Holocaust-Zeitzeugin Michaela Vidláková besuchte das Peter-Paul-Rubens Gymnasium Siegen- „Man muss gegen das Böse kämpfen, solange es klein ist.“ -
Donnerstag, der 28. Januar 2010: Die Aula des Peter-Paul-Rubens Gymnasiums füllte sich langsam mit Schülern der 9. und 10. Stufe. Überall herrschte Unruhe, es wurde geredet und in den Taschen gekramt. Doch als Dr. Michaela Vidláková auf der Bühne zu sprechen begann, wurde es auf einmal ganz still im Saal.
Ehrfürchtig lauschten die Schüler den Worten der Holocaust-Zeitzeugin, die schon seit 20 Jahren jungen Menschen von ihren Erfahrungen im Ghetto Theresienstadt berichtet.
Im Jahr 1942, als 6-jähriges Mädchen, wurde sie zusammen mit ihrer Familie aus ihrem Geburtsort Prag in die abgelegene Festungsstadt deportiert. Dort trennte man die Familien, die Erwachsenen kamen zu Arbeitsstellen und alle Kinder unter 14 Jahren in ein Heim, so auch Dr. Vidláková.
Die Zustände im Ghetto waren unvorstellbar.
Pro Person gab es durchschnittlich nur 1,5 m² Wohnfläche und eine kleine Schüssel Suppe am Tag. Auch Erniedrigung und Demütigung waren an der Tagesordnung. Doch „die Hygiene war das größte Problem!“, so Vidláková. Epidemien brachen nicht selten aus, so musste auch das kleine jüdische Mädchen beinahe ein Jahr im Krankenhaus des Ghettos verbringen, sie litt gleichzeitig an Typhus, Scharlach und einer Herzbeutelentzündung.
Besonders über eine Erfahrung im Heim berichtete die Zeitzeugin sehr eindringlich.
Der illegale Schulunterricht, der jeden Vormittag von jüdischen Lehrerinnen gehalten wurde, prägte die heute 74-jährige Doktorin entscheidend, als stille Rebellion, besonders in Bezug auf ihr Dasein als Jüdin. Stolz sagte sie: „Ich trage bis heute den Judenstern! Ganz freiwillig!“
Auch für ihren beruflichen Werdegang waren diese Bildungsansätze von großer Bedeutung, da sie so später ein Studium im Bereich der Biochemie in Erwägung ziehen konnte.
Nachdem sie den Schülern in eindringlichen Worten ihre persönliche Vergangenheit geschildert hatte, ging sie noch auf die Lebensgeschichte ihres kürzlich verstorbenen Freundes Artur Radvansky ein, der u.a. im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert war.
Für die Schüler der 10. Stufe war dies besonders bedeutungsvoll, denn sie waren erst am vorherigen Tag von einer Studienfahrt ins Lager, zurückgekehrt.
Der gesamte Vortrag der Zeitzeugin wurde durch eindrucksvolle Bilder und Texte aus dem Holocaust untermalt, die das Publikum zugleich schockierten und beeindruckten.
Nach ihrem Vortrag nahm sie sich viel Zeit um den Schülern ihre zahlreichen Fragen zu beantworten.
Dabei ging sie auch detailliert auf ihre Beweggründe ein. Es gehe in erster Linie um das „Erinnern und Gedenken“, aber auch darum aufzurütteln. Wie Friedrich Schorlemmer einmal sagte: „Erinnern kann nicht ungeschehen machen, aber die
Wiederholungswahrscheinlichkeit verringern.“
Vinona Wicht und Antonia Willmeroth
