Stellungnahme zur aktuellen Diskussion um das Attentat auf Samuel Paty

Am 16. Oktober 2020 wurde der Lehrer Samuel Paty auf einer offenen Straße der Gemeinde Conflans-Sainte-Honorine in der Nähe von Paris enthauptet gefunden. Der 47-Jährige hatte bereits seit drei Jahren an der Mittelschule Collège Bois d’Aulne unterrichtet und im Rahmen seines Staatsbürgerunterrichts am 5. Oktober 2020 eine Karikatur des muslimischen Propheten Mohammed gezeigt, um gesellschaftliche Konfliktlinien anzusprechen und zu debattieren.

Daraufhin beschwerte sich eine 13-Jährige Schülerin über die pornografische Darstellung Mohammeds bei ihrem Vater, der zu den Vorkommnissen Videos im Internet verbreitete und zudem den Namen des Lehrers und seine eigene Telefonnummer angab. So gelang es dem 18- Jährigen Attentäter tschetschenischer Herkunft den Mann zu kontaktieren und die notwendigen Informationen zur geplanten Tat zu erhalten. Nach dem Mord veröffentlichte er ein Bild seines Opfers auf der Plattform Twitter und fügte eine provokante Botschaft an den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron hinzu.

Diese Nachrichten trafen die demokratische Republik tief und eine nationale Ehrung des Lehrers sowie eine bundesweite Schweigeminute wurden zum Gedenken an den Schulen Frankreichs abgehalten. Besonders Schüler, Eltern und Lehrer trauerten um den stets beliebten, engagierten und freundlichen Lehrer und Kollegen, der an seiner Schule bereits dafür bekannt war, sich für die Meinungsfreiheit einzusetzen.

Besonders vor dem Hintergrund einer zunehmenden Einflussnahme des politisierten Islams im Unterricht und einer insgesamt gereizten Stimmung aufgrund des Prozesses zum Attentat auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo 2015 erweckt auch diese Tat den Eindruck, Lehrer seien vermehrt zur Selbstzensur verpflichtet, weil bestimmte Unterrichtsinhalte vermehrt auf Kritik einzelner Schüler stoßen. Diese Tendenz geht gegen fundamentale Prinzipien der Demokratie und wird als Angriff auf die Freiheit und das französische Schulwesen empfunden.

 

,,Ich bin Lehrer. Ich bin Samuel.“Mit diesen ausdrucksstarken Worten der Bevölkerung, die an die Reaktion auf das Attentat vor fünf Jahren erinnern, möchten auch wir als Schule Anteil nehmen. Das Attentat beurteilen wir als äußerst besorgniserregend, die zunehmende Gewalt gegen Lehrkräfte ist für uns ein Angriff auf unsere Freiheit zu lernen. Außerdem sprechen wir uns für mehr Toleranz und Akzeptanz gegenüber unterschiedlichen Religionen und Meinungen aus, die durch Bild und Schrift geäußert werden dürfen und nicht mit Gewalt unterdrückt werden sollten. Besonders im Kontext der in den französischen Banlieues aufwachsenden Jugendlichen, die vermehrt zu Gewalttaten neigen, ist uns bewusst geworde , wie wichtig es ist, friedliche Zusammenkünfte, einen stetigen Meinungsaustausch und eine generelle Offenheit aktiv zu unterstützen.

 

Abschließend möchten wir uns den Worten von Bundespräsident Steinmeier anschließen: „Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden und Tagen bei den Angehörigen des Opfers, bei seinen Schülerinnen und Schülern und bei allen Lehrerinnen und Lehrern der Französischen Republik. […] Deutschland steht fest an der Seite Frankreichs im Kampf gegen Terrorismus und Extremismus und gegen eine gesellschaftliche Spaltung, auf deren Nährboden nur Hass und Gewalt gedeihen.“

 

TEXT: ANNE GERMANN UND ANA MILIJEVIC, Q1, im Rahmen des Französischkurses von Caroline Mouton,

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